Zersetzung einer Religionsgemeinschaft.
Die geheimdienstliche Bearbeitung der Zeugen Jehovas in der DDR und in Polen.

Zusammenfassung

In den hier untersuchten Abschlussarbeiten der MfS-Geheimdienstjuristen, erstellt an der Juristischen Hochschule Potsdam, wird das System der geheimpolizeilichen Arbeit des MfS sichtbar.

Nach außen hin sollte möglichst wenig Aufsehen erregt werden. Tatsächlich aber versuchte das MfS jeglichen Widerstand schnell und in Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Stellen bis zum Äußersten zu bekämpfen.

Die offenen Darstellungen in den Abschlussarbeiten zeigen das Ausmaß und die Intensität mit der die Geheimdienstmitarbeiter ans Werk gingen. Sie hatten keinerlei Skrupel bei der Wahl ihrer Methoden. Überall wo sie "politisch-ideologische Diversion" vermuteten, wurde die "Zersetzungs"-Maschinerie in Gang gesetzt. Ohne Gewissensbisse wurden Existenzen zerstört.

Jehovas Zeugen, die durch Wehrdienstverweigerung, religiösen Aktionismus und politische Neutralität auffielen, waren 40 Jahre lang Ziel der Bekämpfungsaktionen des MfS.

Die mehr oder weniger wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den "Zersetzungsmaßnahmen" gegen Zeugen Jehovas ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen und zeigt das wahre, kalte und grausame Gesicht der SED-Diktatur in der ehemaligen DDR.

Umso mehr erstaunt es, dass die zum Teil sehr ausgeklügelten Maßnahmen des MfS der Religionsgemeinschaft nicht auf Dauer schaden konnten. Am Ende der SED-Diktatur lebten mehr Zeugen Jehovas in der DDR als bei Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit im Februar 1950.