setzen. Die IM „Günther“14 und IM „Quermann“15 wurden im Jahre 1979 gezielt benutzt, um die Königreichsdienstschule „aufzuklären“, damit diese dann durch das MfS „zerschlagen und liquidiert“ werden konnte.16

Diese Königreichsdienstschule bestand aus zwei Teilen. Zunächst fand jeweils eine Besprechung statt, bei der die vorgesehenen Teilnehmer schriftliche Unterlagen erhielten. Diese Unterlagen dienten als Grundlage für eine gute Vorbereitung des Unterrichtsstoffes für die eigentliche Schule, die nach einigen Wochen an einem Wochenende stattfand. Während der IM „Günther“ bereits an einer solchen Schulung im August/September 1979 im Raum Rochlitz teilnahm, sollte der IM „Quermann“ im November/Dezember eine solche Schulung im Raum Zwickau erhalten.

Der IM „Günther“ berichtete dem MfS ausführlich über die Vorbereitungsbesprechung zu dieser Schule, an der er im Juli 1979 teilnahm. Er übergab dabei der Stasi alle schriftlichen Unterlagen, die er erhalten hatte. Auch nannte er den Termin, an dem die eigentliche Schule stattfinden sollte, nur den Ort konnte er nicht nennen, da diesen Ort keiner der Teilnehmer vorher erfahren hat. Stasi- Offizier Riedel17 empfahl, die Liquidierung der Schule im September im Beisein des IM „Günther“ sei nicht angebracht, da der IM „Günther“ „erst im August eine Nichtrentnerreise in die BRD18 durchführte und es könnte dadurch der Verdacht entstehen, dass der IM mit dem MfS zusammenarbeitet“. Bei dieser BRD-Reise hatte der IM „Günther“ einen wichtigen Auftrag des MfS auf dem Gebiet der BRD auszuführen, für den er vom MfS 200,00 Mark finanzielle Unterstützung erhielt.

So wurde der IM „Günther“ zwei Tage vor der Schule nochmals durch seinen Führungsoffizier Joachim Riedel genau instruiert, auf was er zu achten hat und welche Angaben die Stasi von ihm benötigt.19 Der IM „Günther“ nahm dann an dieser Schulung teil, machte jedoch einen auffallend nervösen Eindruck, den er

____________________

14 Vgl. S. 68, Anm. 53.
15 Vgl. S. 70, Anm. 56.
16 Weitere Einzelheiten über diese MfS-Aktion sind auch in der Abschlussarbeit von Hauptmann Joachim Riedel zu finden. Vgl. S. 66 ff.
17 Joachim Riedel gehörte gemeinsam mit den Stasi-Offizieren Rolf Uksa, Karl-Heinz Decker. Geralf Damisch und Uwe Vorberg viele Jahre zu der Stasi-Truppe, die sich speziell mit Jehovas Zeugen im Bezirk Karl-Marx-Stadt „beschäftigte“.
18 Der TM „Günther“ war Invalidenrentner, daher hatte er die Möglichkeit zu Besuchsreisen in die BRD.
19 Der IM sollte u.a. auf folgendes genau achten: Kennzeichen des ihn abholenden PKW, Namensschilder, markante Merkmale des Gebäudes, in dem die Schule durchgeführt wird, was ist in der Umgebung zu sehen, welche Gerätschaften usw. kann er erkennen, welche Straßennamen oder Firmenzeichen kann er während der Fahrt mit dem PKW erkennen.