mit gesundheitlichen Problemen begründete. Was seine Berichterstattung an die Stasi betrifft, so war er äußerst genau und achtete auf winzige Einzelheiten, die zur Identifizierung des Ortes und der Teilnehmer20 führen sollte. Die vom IM genannten genauen Einzelheiten der Wegbeschreibung der Anfahrt bzw. des Fußweges zum Treffort sowie von Gebäuden. Gartenzäunen und Einzelheiten der Gartenbepflanzung am Ort machten es der Stasi möglich, innerhalb weniger Tage den Ort der Schule zu identifizieren.

Der IM „Günther“ hatte auch nach seiner Teilnahme an der Schule wichtige Aufgaben für die Stasi zu erfüllen, um die Zerschlagung der Schule bestens vorzubereiten. Da die Stasi annahm, dass diese Schule immer am gleichen Ort stattfindet, konzentrierte sich der Einsatz der Stasi und des IM „Günther“ auf den Kreis Rochlitz. In einem von den Stasi-Offizieren der BV Karl-Marx-Stadt, Joachim Riedel und Heinz Engelhardt21 verfassten Maßnahmeplan22 wurden dazu konkrete Festlegungen getroffen. Zum Beispiel sollte bei Zerschlagung der Schule „jeder Anwesende entsprechend dem Gesetz zur Bekämpfung von Ordnungswidrigkeiten mit 1.000,00 Mark Geldstrafe belegt“ werden und gegen mich ein Ermittlungsverfahren nach § 218 StGB der DDR („Zusammenschluss zur Verfolgung gesetzwidriger Ziele“) eingeleitet werden.

Anfang November 1979 wurde eine weitere Schulung im Raum Zwickau geplant, an der auch IM „Quermann“ teilnehmen sollte. Da der IM „Günther“ diese Schule bereits besucht hatte, wurde er bei der genauen Vorbereitung nicht mit einbezogen. Der Stasi entging jedoch nichts, da jetzt der IM „Quermann“ der Verbindungsmann „vor Ort“ war. So konnte die Stasi den Zugriff am 24. November 1979 bestens vorbereiten. Es wurden Vorschläge durch die Stasi- Offiziere gemacht, die dann im von Generalmajor Siegfried Gehlert23 bestätigten Maßnahmeplan24 ihre Konkretisierung erfuhren.

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20 Die Teilnehmer trugen während dieser Schulung aus Sicherheitsgründen einen Decknamen. Dadurch war es dem IM nicht möglich, die Namen der Teilnehmer der Stasi bekanntzugeben.
21 Major Heinz Engelhardt, geb. 09.02.1944, begann seine Stasi-Karriere 1962 bei der BV Karl- Marx-Stadt. Von 1968 bis 1974 absolvierte er ein Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche. Ab 1976 war er Leiter der Abteilung XX bei der BV Karl-Marx-Stadt. Kurze Zeit nach den „Zwickauer Ereignissen“ wurde er zum Oberstleutnant befördert. Engelhardt wurde 1986 nach Frankfurt/ Oder versetzt und war ab 1987 als Generalmajor Leiter der BV Frankfurt/Oder. Von Dezember 1989 bis Januar 1990 war er Leiter des Amtes für Verfassungsschutz der DDR. Engelhardts Nachfolger als Leiter der Abteilung XX bei der BV Karl-Marx-Stadt wurde der Stasi-Offizier Peter Eichler, der zum Oberstleutnant befördert wurde.
22 Maßnahmeplan vom 12.10.1979 zum OV „Thurm“ - Reg.-Nr. XIV 864/62 - „Königreichsdienstschule“ im Kreis Rochlitz.
23 Siegfried Gehlert, geb. 19.07.1925, begann seine Stasi-Laufbahn 1950 in Auc/Erzg.. Über die Stationen Auerbach und Schwarzenberg kam er 1954 nach Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Von 1958 bis 1989 war er Leiter der BV Karl-Marx-Stadt. Von 1960 bis 1965 absolvierte er ein Fernstudium