Mit einem Großaufgebot aus ihren Abteilungen VIII, IX und XX rückte die Stasi an, um uns festzunehmen, abzutransportieren und zu verhören. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, wurde auch der IM „Quermann“ mit festgenommen, verhört und später ebenfalls zu 1.000,00 Mark Geldstrafe verurteilt.25 Bei dieser Aktion wurde auch mein PKW „Trabant“ durch die Stasi gründlich durchsucht und „präpariert“, was sich später zeigen sollte.26

Der Leiter der BV Karl-Marx-Stadt, Generalmajor Gehlert, schrieb am 27.11.1979 eine Erfolgsmeldung über die Zerschlagung einer „konspirativ organisierten und gesetzwidrigen Zusammenkunft von Funktionären der illegalen Sekte der Zeugen Jehovas am 24.11.1979 in Zwickau“ an den 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt, Siegfried Lorenz.27 Durch dieses Schreiben wird die enge Verflechtung von Partei und Stasi deutlich sichtbar.

In enger Absprache mit der HA XX/428 führten Stasi-Offiziere in den nächsten zwei Wochen „Differenzierungsgespräche“ mit verschiedenen verantwortlichen Zeugen Jehovas im Bezirk Karl-Marx-Stadt, mit dem Ziel, uns einzuschüchtern und einzuengen. Doch dieser Plan der Stasi war zum Scheitern verurteilt.29

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an der JHS Potsdam-Eiche. Dort promovierte er 1973 zum Dr. jur. Im Jahre 1987 wurde er zum Generalleutnannt befördert.
24 Maßnahmeplan vom 22.11.1979 zur Liquidierung der im OV „Thurm“ - Reg.-Nr. XIV 864/62 pol.-op. bearbeiteten „Königreichsdienstschule“ der verbotenen Organisation „Zeugen Jehova“.
25 Wie aus der in Anm. 1 genannten Abschlussarbeit hervorgeht, wurde der IM vom MfS so instruiert, dass er sich bei der Vernehmung so verhalten soll, dass der MfS-Vernehmer nichts von der inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS erfährt. Er wurde also „echt vernommen“ und dann auch abgestraft.
26 Bei späteren Fahrten konnte ich stets ein „Begleitfahrzeug“ feststellen. Nachdem ich diese konsequente Überwachung verspürt hatte, erlaubte ich mir manche „Testfahrten“ auch über Feldwege. Es war „beruhigend“, auch in unwegsamen Gelände nie allein zu sein. Als meine Tochter mit ihrer Freundin und deren Bruder mit diesem Pkw im April 1986 eine Fahrt nach Prag unternahmen, wurde sie am Grenzkonntrollpunkt Reitzenhain im Erzgebirge „gründlichst kontrolliert“, wozu auch das Zerlegen des Fahrzeugs gehörte.
27 Streng vertrauliche Information des MfS. BV Karl-Marx-Stadt Nr. 551/79 - Gen. Lorenz
28 Die MfS-HA XX befasste sich mit u.a. mit Kunst, Kultur und Untergrundtätigkeit und stand seit 1964 unter der Leitung von Generalleutnant Paul Kienberg, geb. am 15.10.1926. Kienberg wurde 1949 Angehöriger der Deutschen Volkspolizei. 1950 ging er zur Stasi, von 1963-1968 absolvierte er ein Fernstudium an der JHS in Potsdam-Eiche. Als Leiter der HA XX/4, die sich mit Kirchen und Religionsgemeinschaften befasste, war bis 1989 Oberst Wiegand tätig. Zu den Stasi-Offizieren, die sich besonders mit Jehovas Zeugen beschäftigten, gehörte u.a. Major Oskar Herbrich. Herbrich und Wiegand waren nach dem Ende des MfS weiter beim neugegründeten „Amt für Nationale Sicherheit“ tätig.
29 Die in Anm. 1 genannte Abschlussarbeit berichtet ausführlich über die „Liquidierung der Unterweisung der Königreichsdienstschule“. Riedel hat in dieser Arbeit die aufgeführten Klar- und Decknamen abgeändert. So schreibt er am Schluss seiner Arbeit, dass „durch die durchgeführten