Wenn ich heute auf mein bisheriges Leben zurückblicke, muss ich sagen: Wir haben als Familie während der vier Jahrzehnte DDR manche direkte und auch indirekte Aktion der Stasi erleben müssen. Ob es die Verweigerung einer höheren Schulbildung war, Intrigen am Arbeitsplatz, Berufsverbote, konspirative Hausdurchsuchungen,35 zersetzendes Schriftgut von CV, Schikanen an unseren Kindern, Disziplinierungsgespräche durch das MfS, Verhaftung und Geldstrafen - der Stasi war jedes Mittel recht. Und diese Anfeindungen durch die Stasi gingen weiter, bis das skrupellose Überwachungssystem im Jahre 1990 zusammenbrach. Viele der von Waldemar Hirch in seiner Darstellung über „Abschlussarbeiten an der Juristischen Hochschule Potsdam*4 aufgezeigten Methoden und Praktiken der Stasi haben wir selbst erlebt und verspürt.

Die Geschichte hat ihr Urteil gesprochen. Selbst ein „allmächtiger und allgegenwärtiger“ Machtapparat wie die Stasi war nicht in der Lage, die DDR am Leben zu erhalten. Die DDR und ihre Stasi sind selbst zur Geschichte geworden. Zu bedauern sind die Menschen, die ihr Vertrauen in dieses System gesetzt hatten. Das feste Vertrauen in unseren Gott Jehova gab uns als Zeugen Jehovas die Kraft und den Mut, auch diese Zeit der Verfolgung siegreich zu überleben.

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35 Konspirative Hausdurchsuchungen wurden in gesicherter Abwesenheit aller Hausbewohner in der Form durchgeführt, dass alles in der Wohnung bzw. im Haus durchsucht und fotografisch dokumentiert wurde. Bei der Durchsuchung wurde peinlichst genau darauf geachtet, dass alles wieder an seinem Platz gelegt wurde, damit die von der Durchsuchung Betroffenen nichts merken sollten. Manchmal war nur der Duft eines Deodorants oder ein fremder Körpergeruch ein Zeichen dafür, dass die Stasi „wieder da war“.