Zersetzung einer Religionsgemeinschaft

Waldemar Hirch:
Wissenschaftliche Darstellung der "Zersetzung" [der Zeugen Jehovas] in Abschlussarbeiten der Juristischen Hochschule Potsdam (JHS), in: ders. (Hg.), Zersetzung einer Religionsgemeinschaft - Die geheimdienstliche Bearbeitung der Zeugen Jehovas in der DDR und Polen, Niedersteinbach 2001, Seite 18-22:


Die wissenschaftliche Darstellung der „Zersetzung" in Abschlussarbeiten an der Juristischen Hochschule Potsdam Entstehungsgeschichte und Auftrag der Juristischen Hochschule Potsdam


Am 8. Februar 1950 war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) geschaffen worden, deren Mitarbeiter sich zunächst hauptsächlich aus der Deutschen Volkspolizei, hier speziell aus den Kommissariaten 5, K5 genannt, rekrutierten. Zunächst war dieses neu geschaffene Ministerium kein großes Gebilde und setzte sich aus bewährten Kadern zusammen. Die im Ministerium des Innern bestehende Hauptabteilung "Ausbildung", die für Schulung und Ausbildung der Polizei- und Sicherheitskräfte zuständig war, wurde teilweise hier integriert.

Es wurden eigene Ausbildungsstätten geschaffen, von denen die am 16. Juni 1951 durch den Generalsekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht, in Anwesenheit Wilhelm Zaissers, des ersten Ministers für Staatssicherheit, eröffnete "Schule des Ministeriums für Staatssicherheit" in Potsdam-Eiche von besonderer Bedeutung war. Das Ziel dieser Schule hatte Zaisser unter anderem damit erklärt, dass den Kadern ein politisches Grundwissen vermittelt werden sollte. Die Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin sollte ihnen zur Handlungsanleitung werden. Die hohe Schule der operativen Arbeit sollte gelehrt werden.1

Einen wissenschaftlichen oder akademischen Anspruch konnte man zunächst nicht erwarten. Aus Mangel an Lehrpersonal wurden zunächst nur einjährige Kurse angeboten. Dies änderte sich zunächst auch nicht, als die Schule im Jahre 1953 in die "Schule des Staatssekretariats für Staatssicherheit" umbenannt wurde. Der Ausbruch des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 wurde dem Versagen der Sicherheitsorgane angelastet. Innerparteiliche Machtkämpfe hatten zum Sturz Wilhelm Zaissers geführt und gleichzeitig zu einer Neustrukturierung des gesamten Apparates.

Von den 60 im Zeitraum von 1953 bis 1955 tätigen Lehrern hatte der überwiegende Teil eine Berufsausbildung einschließlich Berufsschulabschluss. Sie hatten einen Lehrgang an der Schule des MfS besucht und hatten nach Ab-

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1 Günter Förster, Die Juristische Hochschule des MfS, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 1996, S. 27 f.