schluss dieses Lehrgangs ihre Tätigkeit als Lehrkraft an dieser Schule aufgenommen. Nachfolger Zaissers wurde Ernst Wollweber, der die Schule 1955 in die "Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit" umwandelte.2 Die Bezeichnung als Hochschule war nicht korrekt, denn es konnten zunächst keine akademischen Grade verliehen werden und die Schule wurde erst allmählich in eine Hochschule umgewandelt. Es wurde bis 1963 der Lehrstuhl "Juristische Ausbildung", die Arbeitsgruppe Kriminalistik sowie die Institute für Marxismus-Leninismus, Recht und Spezialdisziplin geschaffen.3

Seit 1963 konnten Diplome verliehen werden. Ab Juni 1965 erhielt die Hochschule die Bezeichnung "Juristische Hochschule Potsdam".4 Erich Mielke, der Minister für Staatssicherheit, resümierte bei seiner Festrede zur Verleihung des Status einer Juristischen Hochschule 1965: "Bei Eröffnung der Schule besaßen nur wenige Lehrkräfte eine abgeschlossene Hochschulausbildung. … In den vergangenen Jahren haben 56 Prozent des Lehrkörpers ein Hochschulstudium absolviert. Die übrigen Lehrer studieren gegenwärtig an verschiedenen Universitäten und Hochschulen und legen im wesentlichen noch in diesem Jahr ihre Examen ab. … Die nächste Etappe der Qualifizierung sieht vor, dass sich ein bedeutender Teil des Lehrkörpers auf die Promotion vorbereitet. Bis zum nächsten Jahr soll ein Drittel der Lehrer den akademischen Grad eines Doktors erworben haben."5

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2 Umbenennung am 17. Oktober 1955 zunächst in die "Hochschule des Staatssekretariats für Staatssicherheit". Ab dem 24.11.1955, nachdem das SfS erneut zu einem eigenständigen Ministerium geworden war, erfolgte auch die Umbenennung der Hochschule. Vgl. Dietrich Fischer, Die 'Juristische Hochschule Potsdam'. 'Kaderschmiede' des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit, in: Deutschland Archiv 12/1990, S. 1891-1894.
3 Förster, Die Juristische Hochschule Potsdam, aaO., S. 4. Was in den ersten Jahren der Hochschule unter Spezialdisziplin verstanden wurde, ist aus den bisher vorhandenen Dokumenten nicht zu ersehen. Doch dürfte sich dies nicht wesentlich von den Lerninhalten unterschieden haben, die in der "Sektion Politisch-operative Spezialdisziplin" vermittelt wurden. Diese wurden zwar im Laufe der Jahre stark erweitert, die Intention der Spezialdisziplin dürfte die gleiche geblieben sein. Im Jahre 1988/89 wurden unter anderem Lehrstühle für "Grundprozesse der politisch-operativen Arbeit", "Spionage", "Politisch und ideologische Diversionstätigkeit (PID), Politische Untergrundtätigkeit (PUT)" und "Grundfragen der Arbeit im und nach dem Operationsgebiet" genannt. Ebd., S. 10.
4 Dies war die Bezeichnung nach außen, die interne Bezeichnung lautete von 1976-1989 "Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit". Förster, Juristische Hochschule, a.a.O., S. 5.
5 Referat Mielkes zur Festveranstaltung anlässlich der Verleihung des Status einer Hochschule für die juristische Ausbildung in Potsdam-Eiche am 29.6.1965; BStU, ZA, ZAIG 4706, Bl. 6 f., zitiert in: Jens Gieseke, Doktoren der Tschekistik. Die Promovenden der 'Juristischen Hochschule' des MfS, BStU, Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 1994, S. 4.