Am 18. Juni 1968 wurde der Hochschule, mit Wirkung vom 1. Mai 1968 offiziell das Promotionsrecht verliehen. Der akademische Grad des Dr. jur. (Promotion A) konnte nun erworben werden. Ab dem 1. Juni 1981 erhielt die JHS auch das Recht zur Verleihung des akademischen Grades Dr. sc. jur. (Dr. scientiae juris - Promotion B).6

Die Qualität der Ausbildung war ähnlich wie an den anderen Hochschulen der DDR anzusetzen. Es war allerdings nicht das Ziel, eine juristische Laufbahn als Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter einzuschlagen, sondern eine Arbeit als verantwortlicher Offizier im MfS. Alle Arbeiten der Hochschule waren den Geheimhaltungsregeln eines Geheimdienstes unterworfen, woraus ersichtlich wird, dass man nicht die gleichen Voraussetzungen wie an einer öffentlichen Universität erwarten konnte.

Nicht wesentlich anders war es bei der Juristischen Fachschule des MfS, die der Juristischen Hochschule Potsdam angegliedert war. Am 19. Juni 1970 wurde sie vom Minister für Hoch- und Fachschulwesen gegründet und am 4. November 1970 von Erich Mielke eröffnet. Eine mehrjährige Ausbildung sollte die bis dahin abgehaltenen einjährigen Lehrgänge für Sachbearbeiter und Hauptsachbearbeiter ablösen, da sie den komplizierter gewordenen Anforderungen an eine politisch-operative Arbeit nicht mehr genügten. Es war möglich, ein Fachschuldirekt- oder ein Fachschulfernstudium zu absolvieren. Der Abschluss der 10. Klasse der polytechnischen Oberschule und der Abschluss der Offiziersausbildung im MfS waren notwendig. Zugangsvoraussetzung war auch, dass sich die Kandidaten schon "im Dienste der Organe des MfS" bewährt hatten.7

Für Fachschüler und für Studenten war gemäß der Präambel zur "Studienordnung" der JHS das politisch-ideologische Ziel der Ausbildung: "An der Hochschule des MfS werden Offiziershörer auf der Grundlage der Beschlüsse der Partei, insbesondere des Programms und des Status der SED sowie der dienstlichen Bestimmungen und Weisungen des Ministers für Staatssicherheit im Prozess der kommunistischen Erziehung und praxisbezogenen tschekistischen Ausbildung zu mittleren leitenden Kadern entwickelt, die jeden Auftrag der Partei- und Staatsführung und die Befehle und Weisungen des Ministers für Staatssicherheit unter allen Lagebedingungen diszipliniert, mit hoher Einsatzbereitschaft und Sachkenntnis durchsetzen."8

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6 Förster, Juristische Hochschule, a.a.O., S. 6.
7 Ebd., S. 14.
8 Ebd., S. 17.