Arbeit wird im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht behandelt werden, da die vorhandenen Fachschulabschlussarbeiten ausreichen, um sich ein Bild von der Vorgehensweise der angehenden Fachschuljuristen zu machen.

Von den 4.500 Diplomarbeiten, die im Zentralarchiv vorhanden sind,10 behandelte keine das Thema Zeugen Jehovas.

Von den 178 Dissertationen an der JHS befasste sich lediglich eine Arbeit überhaupt mit der Hauptabteilung XX, die sich ja in der Hauptsache mit der sogenannten Untergrundtätigkeit, der Politisch-ideologischen Diversion (PID), auseinandersetzte. Dagegen beschäftigen sich fast 40 Titel mit dem Thema "Westen - Bundesrepublik - Grenze - Imperialismus (bezogen auf die Bundesrepublik)".11 Weitere Schwerpunktthemen sind Inoffizielle Mitarbeiter, die Wirtschaft, historische und zeitgeschichtliche Themen und auch die JHS selbst.

Alle Fachschulabschlussarbeiten waren "Vertrauliche Verschlusssachen" (VVS). Die Geheimhaltung sollte gewährleistet sein. Nichts sollte nach außen dringen. Nach der Geheimhaltungsordnung über die Gewährung der Geheimhaltung, Sicherung und Ordnung in der Arbeit mit Unterrichtsmaterialien der VVS- und Dokumentenstellenarbeit an der Hochschule des MfS vom November 1986 wurde die VVS wie folgt definiert: "Geheimnisse, die Aufschluss über Teilgebiete der politisch-operativen Arbeit abhandeln oder andere inhaltlich geheimzuhaltende Probleme beinhalten, die einem konkret zu bestimmenden Personenkreis von Mitarbeitern zur Kenntnis gelangen sollen".12

Die Arbeit Nr. 4 erhielt den Vermerk, dass sie gesperrt war. Sie durfte nur mit besonderer Genehmigung ausgeliehen werden. Sie enthielt Informationen über die vom MfS geschaffene Oppositionsbewegung „Christliche Verantwortung".

Die Fachschulabschlussarbeiten hatten gemeinsam, dass hier keine Juristen im herkömmlichen Sinne am Werk waren, sondern speziell in der Praxis ausgebildete Geheimdienstjuristen, die in "Zersetzungsmaßnahmen" geübt waren und aus ihrer Praxis sprachen. Die von ihnen beschriebene Arbeit war somit für sie keinesfalls lediglich Theorie. Gerade das macht diese Arbeiten so interessant, da die Vorgehensweise offen dargelegt wird. Die MfS-Offiziere beschrieben ihre Arbeitsweise, die zeigt, dass sie keine Skrupel hatten, andersdenkende Menschen, die ihre christliche Religion ausleben wollten, mit allen dem MfS zur Verfügung stehenden Mitteln zu "liquidieren".

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10 Günter Förster, Die Dissertationen an der Juristischen Hochschule' des MfS. Eine annotierte Bibiographie, BStU, Abt. Bildung und Forschung, 2. Auflage, Berlin 1997, S. 18, Fußn. 61.
11 Ebd., S. 47.
12 Ebd., S. 38.

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