• die Entwicklung und Förderung eines gesellschaftspolitischen positiven Verhaltens von religiös missbrauchten und irregeleiteten Bürgern der DDR zur bzw. in der sozialistischen Gesellschaft;38
  • die Zusammenführung aller in Opposition stehenden Zeugen Jehovas unter dem vorgenannten Aspekt, zur Erhöhung der Wirksamkeit und Ausstrahlungskraft der der Wachtturmgesellschaft entgegenstehenden Bewegung; die Schaffung und Organisierung einer eigenständigen freien Christengemeinde aus ehemaligen Anhängern der Wachtturmgesellschaft, unter Ausschaltung des direkten feindlich-negativen Einflusses39 des Ostbüros."

Diese Art der Zersetzungsmaßnahmen wären nur langfristig möglich und in enger Zusammenarbeit der MfS-Hauptabteilung XX/4 und der Bezirksverwaltungen des MfS. Ein einheitliches und arbeitsteiliges Vorgehen müsse garantiert sein. Dies geht nur mit einem "zielgerichteten, langfristigen und qualifizierten" Einsatz von IM. Sie seien die "Hauptkräfte des Ministeriums für Staatssicherheit" (S. 8). Es gäbe zwei Einsatzrichtung für IM (S. 8): "1. inoffizielle Mitarbeiter in der Konspiration der Wachtturmgesellschaft; 2. inoffizielle Mitarbeiter in der Oppositionsbewegung." Diese sogenannten "Einfluss-IM" sollten "die Oppositionsbewegung organisieren, lenken und leiten oder durch das Ministerium für Staatssicherheit zur Unterstützung dieses Prozesses in diese Bewegung integriert werden" (S. 13).

Eine solche Oppositionsbewegung sei durch die Studiengruppe "Christliche Verantwortung" vorhanden. Er erklärte auch das Zustandekommen der sogenannten "Studiengruppe" (S. 9 f.): "Die Studiengruppe 'CV' und die gleichnamige von ihr herausgegebene Zeitschrift wurde durch die spezifischen Mittel und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit geschaffen und stellt die legale ideologische und religiöse Basis der Oppositionsbewegung dar. 1977 wurde ein sogenannter 'Arbeitskreis CV' gebildet, dem gegenwärtig 40 ehemalige WTG-Mitglieder angehören, die alle auf dem Territorium der DDR existierenden oppositionellen Gruppen auf der Grundlage einer einheitlichen Konzeption anleiten." CV war vom MfS ins Leben gerufen worden und existierte als ideologisch verbrämter Kampfbund gegen Zeugen Jehovas.40

Der Zweck der Zeitschrift CV wurde wie folgt legendiert: "Christliche Verantwortung leitet an zu rechtem Forschen in der Heiligen Schrift und zu verant-

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38 Sie sollten sich mehr für den Aufbau des Sozialismus einsetzen und auch Wehrdienst leisten.
39 Dafür unter Einschaltung des direkten Einflusses des MfS.
40 1980 wurde die Herausgabe einer weiteren zersetzenden Zeitschrift "Weggefährte" vorgenommen. Deren Aufgabe bestand in der christlichen Neuorientierung der Zeugen Jehovas in der sozialistischen Gesellschaft. Herausgeber war der leitende Prediger der freien Christengemeinde Leipzig, Heinz Bolze.