Zersetzung einer Religionsgemeinschaft

Martin Jahn

Einleitung

Waldemar Hirch untersucht in diesem Buch die wissenschaftliche Darstellung der „Zersetzung“ an den Zeugen Jehovas in der ehemaligen DDR in Abschlussarbeiten an der Juristischen Hochschule (JHS) Potsdam. Die JHS galt über Jahrzehnte als Kaderschmiede des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. In diesen Abschlussarbeiten wird die Vorgehens weise des MfS, allgemein auch Stasi genannt, offen dargelegt und dadurch ein bezeichnendes Licht hinter die Kulissen eines totalitären Staates geworfen, der längst nur noch zu einem Kapitel unserer Geschichte geworden ist.

Es ist sehr aufschlussreich, in einer solchen Abschlussarbeit zu lesen, mit welchen Methoden und Maßnahmen die Stasi ausgezogen war, Jehovas Zeugen als Staatsfeinde zu diffamieren und ihren Glauben zu zersetzen. Dabei war ihnen fast jedes Mittel recht, um ihre Ziele zu erreichen. Besonders deutlich wurde mir das in der von Hauptmann Joachim Riedel an der JHS Potsdam geschriebenen Abschlussarbeit1 vor Augen geführt, die sich mit Stasi-Maßnahmen gegen Jehovas Zeugen im Raum Zwickau - Penig - Rochlitz während des Jahres 1979/1980 beschäftigt, von denen ich persönlich sehr stark betroffen war. Wenn man mit solchen Dokumenten konfrontiert wird, drängt sich natürlich die Frage auf, warum die Stasi in einer solchen Weise gegen Jehovas Zeugen vorging.

Jehovas Zeugen sind seit über 100 Jahren in Deutschland aktiv und gehören zur Geschichte unseres Landes. Bereits während der NS-Zeit mussten sie harte Verfolgung über sich ergehen lassen, die für mehr als 1.500 von ihnen den Tod bedeutete. Adolf Hitler und seine Helfer hatten sich darangemacht, Jehovas Zeugen auszurotten, doch im Jahre 1945 waren Jehovas Zeugen als Gruppe immer noch da - ganz im Gegensatz zu ihren früheren Peinigern. Doch nur wenige Jahre später fand die Verfolgung der Zeugen Jehovas im Gebiet der ehemaligen DDR eine erschreckende Fortsetzung, bei der die Stasi eine Schlüsselrolle spielte. Es wird eine Hilfe sein, die Geschichte der Verfolgung

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1 JHS Potsdam, Lehrgang: 7. FFSL, Geheime Verschlusssache JHS Nr. 135/80, Autor: Hauptmann Joachim Riedel, MfS-BV Karl-Marx-Stadt, Abt. XX, vom 30.11.1980. Thema der Abschlussarbeit: „Die Verallgemeinerung von Erfahrungen aus der operativen Bearbeitung von Funktionären der verbotenen Organisation ,Zeugen Jehovas4 in OV, insbesondere der Durchführung von Maßnahmen der Zersetzung, Verunsicherung und Differenzierung44.