der Zeugen Jehovas nicht zu vergessen und besonders zur Aufklärung junger Menschen beitragen, die diese Zeit persönlich nicht erlebt haben.

Jehovas Zeugen fühlten sich in der DDR erneut einem Regime ausgesetzt, das ihnen nicht gestattete, ihre religiöse Überzeugung zu praktizieren. Obwohl in der Verfassung der DDR die Glaubensfreiheit festgeschrieben war, wurde sie doch von den Machthabern der DDR und ihrem Werkzeug in Form der Stasi mit Füßen getreten. Da ich während der vier Jahrzehnte der Existenz der DDR stets als Zeuge Jehovas tätig war und über viele Jahre innerhalb der Organisation der Zeugen Jehovas in Sachsen Verantwortung getragen habe, spürte ich und auch meine Familie diese Verfolgung in vielfältiger Weise. Wenn ich auf die vergangenen sechs Jahrzehnte meines Lebens zurückblicke, kommen mir viele persönliche Erlebnisse in Erinnerung.

Als Vierjähriger musste ich verkraften, dass mein Vater im Krieg auf der Krim sein Leben verlor und meine Mutter zur Witwe wurde. Über ein Jahr später erlebte ich, wie abgemagerte Männer und Frauen in unserer Nachbarschaft aus Hitlers Konzentrationslagern nach Hause kamen. Trotz ihres körperlich schwachen Zustandes waren sie glücklich und freudig, weil sie ihren Glauben an ihren Gott Jehova bewahrt und das menschenverachtende Nazisystem erhobenen Hauptes überlebt hatten. Ihr biblisch gestützter Glaube an eine bessere Welt unter Gottes Königreich bot meiner Mutter und mir eine echte Hoffnung, und so studierten wir die Bibel und wurden Zeugen Jehovas.

Jehovas Zeugen waren der Führung der SED2 jedoch ein Dorn im Auge. Bereits im Sommer 1949, noch vor Gründung der DDR, beschloss das Politbüro der SED die Durchführung bestimmter Maßnahmen gegen die Zeugen Jehovas. Am 30. August 1950 fand eine landesweite Verhaftungsaktion statt, die viele Zeugen Jehovas hinter Gitter brachte. Zu den Verhafteten gehörten viele, die erst 1945 aus den Konzentrationslagern und Zuchthäusern der Nazis nach Hause gekommen waren. Erst einen Tag später verfasste der damalige Innenminister der DDR, Steinhoff, ein Schreiben an das Magdeburger Zweigbüro der Zeugen Jehovas, in dem er das Verbot der Tätigkeit unserer Religionsgemeinschaft mitteilte.

Nach der Veröffentlichung des Verbots in den Medien erlebte ich in der Schule enormen Druck seitens der Lehrer und auch starken Spott durch einzelne Mitschüler. Bald sollte uns das Leben als Zeugen Jehovas auch zu persönlichen Erfahrungen mit der Stasi verhelfen. Da ich in der Schule sehr gute Leistungen brachte, sollte ich ab 1952 eine höhere Schule mit dem Abitur als Ziel besu-

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2 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.