düng war darin zu finden, dass Jehovas Zeugen in der DDR nach Auffassung Koepkes der Öffentlichkeit nicht bekannt wären, auch ihr Verbot aus dem Jahre 1950 nicht. Das sollte auch so bleiben. Unbeabsichtigtes Interesse der Bevölkerung sollte durch Maßnahmen des MfS nicht hervorgerufen werden. Das wäre nur im Interesse der Zeugen Jehovas.

Auch Koepke führte die vom MfS geschaffene Oppositionsgruppe "Christliche Verantwortung" an und stellte sie als ein wirksames Instrument in den Händen des MfS dar, mit dem zielgerichtet gearbeitet werde. Mit diesem Instrument könne erreicht werden, dass "sich die Sekte mit ihren eigenen Problemen beschäftigen" müsse (S. 9). Gleichzeitig würde an der "politisch-ideologischen Rückgewinnung feindlich-negativer Kräfte" gearbeitet werden.

Einzelne Auswirkungen dieser Gruppe werden in dieser Arbeit beschrieben.

Eine interessante Information Koepkes war, dass seit zehn Jahren, somit seit Beginn der 70er Jahre, "Koordinierungsvereinbarungen mit anderen operativen Diensteinheiten" bestünden (S. 9). In den letzten sechs Jahren würde man sich dabei auf die Zersetzung konzentrieren. Alle operativen Maßnahmen seien darauf ausgerichtet worden, "wie mögliche Ergebnisse zersetzend und mit hohem gesellschaftlichen und politisch-operativen Nutzen erreicht und angewandt werden können" (S. 9).

Fallbeispiele

Koepke ging auf Beispiele für langfristige Zersetzungsmaßnahmen ein.

Bereits 1974 sei bekannt gewesen, dass der "Funktionär" Meier (Name, Orte usw. von Koepke geändert, d.A.) eine "Anlaufstelle"64 für Kuriere aus Westberlin hatte. Durch IM konnte diese "Anlaufstelle" identifiziert werden. In Verbindung mit der Polizei wurden "offiziell verwertbare Informationen erarbeitet".

Mit einem Zeugen Jehovas aus unmittelbarer Nähe der "Anlaufstelle" wurde vom MfS ein reger Scheinkontakt aufgenommen, um den Verdacht des Verrats auf ihn und vom eigentlichen IM abzulenken. In der Abschlussphase des OV wurde dem zum Schein kontaktierten Zeugen Jehovas offiziell der Dank des MfS beim Rat der Gemeinde ausgesprochen und durch IM bekanntgemacht. Gleichzeitig wurde Meier die Dekonspiration seiner "Anlaufstelle" eröffnet.

Daraufhin war Meier gezwungen, eine andere "Anlaufstelle" zu suchen. Seine Wahl fiel auf den eingesetzten IM, der sich über längere Zeit als zuverlässig

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64 Anlaufstelle hieß, dass ein Zeuge Jehovas als Anlaufstelle diente und die Literatur in Verwahrung nahm.