ZJ zeigte, dass empfindliche Stellen getroffen wurden. Jahrelange, mühsame Kleinarbeit der illegalen Leitung der Sekte war zunichte gemacht."

Die "Reaktion" des Betreffenden, wie diese auch immer ausgesehen hatte, sollte offenbar als Beweis für die Wirkung einer MfS-Maßnahme gelten. Diese dürftige Argumentation in Verbindung mit der euphorischen Grundhaltung des Verfassers spiegelte nicht die Realität wieder. Hier wurden eher eigene "Leistungen" belobigt und Erfolge größer demonstriert, als sie in Wirklichkeit waren. Dies macht Sinn, wenn man bedenkt, dass Koepke an den genannten OVs beteiligt war.

Ein weiterer interessanter Fall wird als OV "Satan" angeführt. Verschiedene staatliche Stellen arbeiteten eng zusammen, um den tatsächlichen oder fiktiven Nachweis zu führen, dass eine bestimmte Person in betrügerische Machenschaften verstrickt war. Dies sollte nach außen hin auf gesetzlicher Grundlage geschehen. Deshalb wurde der Polizei schriftlich eine "anonyme Anzeige" mit der Aufforderung geschickt, zu einem bestimmten Termin bei einer bestimmten Person zuzugreifen.

Dieser Brief war so formuliert worden, als ob ihn ein Patient des in der Anzeige beschuldigten Heilpraktikers geschrieben hätte. Die Details für diesen Brief stützten sich auf die Aussagen von 2 IM. Mit dieser Anzeige beschäftigten sich 8 Wochen lang die DVP, der Kreisstaatsanwalt, der Bezirksarzt und das Kreisgericht der dortigen Stadt. Der Vorwurf lautete auf Steuerbetrug.

Da der angeklagte Zeuge Jehovas durch seine Tätigkeit im Heilberuf über ausgedehnte Verbindungen zu anderen Zeugen Jehovas in der DDR verfügte, war seine Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und drei Monaten mit anschließendem fünfjährigem Tätigkeitsverbot sowie einer hohen Geldstrafe ein Fall, der für viel Aufsehen sorgte.

Als Anlage III fügte Koepke einen Zeitungsbericht aus der "Volkswacht" vom 15. April 1980 bei, der mit "Ein 'bescheidener' Bürger" überschrieben war. Ein typisches Beispiel von Rufmord durch die gleichgeschaltete DDR-Presse. Das Vokabular des Berichts erinnert an die Wortwahl, die bei den Schauprozessen der 50er Jahre üblich war. Wollte man in der Öffentlichkeit die Feinde des DDR-Systems diskreditieren, verfiel man in die für totalitäre Systeme so typische Sprache der Demagogie. Es hieß dort, dass beim Angeklagten "hinter der Miene eines Biedermannes verbrecherische Gewinnsucht und hinter vorgetäuschter Nächstenliebe nur der eigene Vorteil gesucht wurde". Schon in der Vergangenheit seien beim Angeklagten Unstimmigkeiten bei der Steuer festgestellt worden. In den Jahren von 1974 bis 1978 hätte er seine Steuer derart "frisiert" dass eine Steuerminderung von 125.586,00 Mark entstanden wäre.