erzeugt werden. Der Heilpraktiker sollte einen Gemeinschaftsentzug erhalten und damit aus den Reihen der ZJ ausgegliedert werden.

Das Angriffsziel war nur vordergründig der Angeklagte. Die Wachtturmgesellschaft, als leitendes Organ der Religionsgemeinschaft, sollte in Misskredit gebracht werden. Ebenso die Gemeinde-Ältesten, die nichts unternehmen würden. Deshalb hieß es weiter: "Wenn uns … betrogen hat, warum soll uns dann nicht auch die WTG betrügen?" "Und der Sturz des … ist ja auch nicht der erste und sicher nicht der letzte kriminelle Fall der sich so moralisch und glaubensfest gebärdenden WTG. Hat wirklich keiner der Verantwortlichen der WTG, keiner der Ältesten hier etwas von dem Betrug an tausenden und abertausenden gemerkt? Viele haben es gewusst. …" "Warum schweigt Wiesbaden dazu? Was für ein Spiel wird hier getrieben? Hat … nicht nur für sich abkassiert, sondern illegal auch Geld nach Wiesbaden befördert? Sollte er das vielleicht sogar? Hat er gleich dabei die Gelegenheit genutzt und alles in die eigene Tasche geschoben? … Von Gewissen kann man bei … nicht sprechen. Aber hat eine Gesellschaft, die all das zulässt, ein Gewissen? … ,CV wird sich gemäß 2. Kor. 13:8 auch weiter für die Wahrheit einsetzen."

Dies ist ein Fall an dem man sehr gut die Zusammenarbeit der verschiedenen staatlichen Stellen und der DDR-Medien sehen kann, die unter Leitung und Lenkung des MfS standen.

Koepke war jedoch bereit, zuzugeben, dass es auch Misserfolge gegeben habe. Er macht die wesentliche Aussage, dass, wenn eine Bearbeitung ohne IM erfolgte, der "Erfolg von vornherein in Frage gestellt war" (S. 22).66

Im folgenden beschrieb Koepke weitere Methoden der Zersetzung bei Zeugen Jehovas. Diese sei spezifisch, da "die religiös-fanatische Bindung der Mitglieder an die WTG blind gegenüber äußeren Argumenten macht" (S. 24).

Das aufgebaute konspirative Netz von Verbindungen funktioniere so, dass jeder Beteiligte nur das wisse, was er unbedingt wissen müsse, um seiner speziellen Aufgabe nachkommen zu können.

Durch den Versand von anonymen und pseudonymen Briefen an bestimmte Zielpersonen, die Fragen, Verdächtigungen etc. enthielten, die sich durch offiziell belegbare Fakten aus bestimmten OV sowie aus inoffiziellen Angaben

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66 Ohne das Heer von IM wäre die Arbeit des MfS kaum möglich gewesen. Auf diese Tatsache muss immer wieder aufmerksam gemacht werden, um der Gefahr der Verharmlosung der IM-Tätigkeit vorzubeugen. Ohne die Denunzianten und die Inoffiziellen Mitarbeiter wäre das DDR-System nicht in der Weise aufrechtzuerhalten gewesen. Sie waren eine wichtige Stütze dieses intoleranten Systems.