und Verdächtigungen aus OPK zusammensetzten, wären die angeschriebenen Personen gezwungen, sich mit den Verdächtigungen auseinanderzusetzen.

Man müsse bedenken, dass durch Dekonspiration oder Verunsicherung eines Verbindungsnetzes schon bald ein neues Verbindungsnetz aufgebaut würde. Dies sei dann noch nicht bekannt und zunächst nicht zu kontrollieren.

Vorladungen beim Rat der Gemeinde oder das Aufsuchen am Arbeitsplatz hätten sich bewährt. So würde auch außerhalb der Zeugen Jehovas bekannt, dass gegen die Person etwas vorliegen müsse. Es könnten zusätzlich auch Gerüchte über diese Person in Umlauf gebracht werden.

Eine weitere wirksame Methode sei es, bestimmte Mitglieder der Zeugen Jehovas mit dem MfS in Verbindung zu bringen. Solche Verdächtigungen müssen geschürt werden, indem vermehrt Kontakte zwischen dem MfS und verschiedenen "Funktionären" nach außen hin sichtbar würden. Kontakte zwischen dem MfS und Mitgliedern der Zeugen Jehovas würden grundsätzlich negativ gewertet und mit Argwohn betrachtet.

Doch sei klar, dass die tatsächlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen nur schwer zu überprüfen und zu dokumentieren seien. Auch IM hätten nur einen "stark eingeschränkten Überblick".

Das Erzeugen und Ausnutzen von Rivalitäten durch IM unter Ausnutzung persönlicher Schwächen einzelner Mitglieder könne ebenso nur schwer dokumentiert werden, da Probleme dieser Art intern "ausgewertet" würden, d.h. nur ein kleiner Kreis beschäftige sich mit diesen Problemen und spreche nicht offen darüber.

In einem weiteren Fallbeispiel berichtete Koepke, dass durch zwei OVs offenbar geworden wäre, dass ein Kurier "sehr gesprächig und strebsam" sei. Mehrere IM bestätigten dies. Diese Gesprächigkeit wurde für das MfS zum Gesprächsthema. In "15 Gesprächen mit Sektenmitgliedern" wurde dies zu einem Problem aufgewertet. Innerhalb von zwei Jahren hätte dann über IM erarbeitet werden können, dass der genannte Kurier nicht mehr als Kurier eingesetzt würde, da er ein "Quatschkopf" sei. Die IM gaben an, dass man innerhalb der Glaubensgemeinschaft dachte, dass das MfS nur durch die Gesprächigkeit des Kuriers "wahrscheinlich alles erfahren" habe.

Einen andere Möglichkeit der Zersetzung wäre, bestimmte "Funktionäre" zum Wohnortwechsel zu veranlassen, indem man sie durch das Zusammenwirken mit staatlichen Stellen und dem Einsatz von Inoffiziellen Mitarbeitern permanenten Kontrollen aussetze. Dies würde in diesem bestimmten Ort "umfangreiche Konsequenzen für die Organisation der illegalen Sekte nach sich ziehen" (S. 29).