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Dokumentation zum Zeitgeschehen von Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime

Biographie von Gitta Jungmichel, geb. Dennert

Gitta Jungmichel, geb. Dennert wurde 1938 geboren. Die Familie Dennert lebte damals in Neuscheune, Kreis Soldin (heute Polen). Die Eltern von Gitta bekannten sich als Zeugen Jehovas (damals bekannt als ‘Ernste Bibelforscher’). Aufgrund seiner religiösen Überzeugung verweigerte der Vater, Willi Dennert, den ‘Hitler-Gruß’ und kam 1939 zunächst in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Kurz darauf wurde dem Ehepaar Dennert das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen, und Gitta, ihre Schwester Christa und ihr Bruder Kurt kamen zu ‘Pflegefamilien’ in der Nähe von Berlin; glücklicherweise wurden sie dort recht gut betreut.

Im Jahr 1945 wurden Gitta und ihre Geschwister von ihrem Vater abgeholt, der inzwischen aus dem Konzentrationslager befreit worden war - er war zuerst im KZ Sachsenhausen und kam später in das KZ Hamburg-Neuengamme.

Biio Gitta Jungmichel Die Familie lebte die nächsten sechs Jahre in Mecklenburg. Gitta und ihre Geschwister erfuhren einiges, was der Vater im Konzentrationslager erlebt hatte, so auch, daß er schon in der Gaskammer war, aber dann wieder herausgeholt wurde, weil Tote wegtransportiert werden mußten und er als Arbeitskraft gebraucht wurde. Im Jahr 1950 wurde Willi Dennert von den Behörden der DDR verhaftet, weil er an seiner Glaubensüberzeugung als Zeuge Jehovas festhielt, und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er sieben verbüßte.

Gittas Mutter, Elsbeth Dennert, die ebenfalls an ihrer religiösen Überzeugung als Zeugin Jehovas festhielt, wurde 1954 verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen sie fünf verbüßte, da sie schwer zuckerkrank war.

Gitta und ihre Geschwister mußten nun wiederum einige Jahre ohne ihre Eltern auskommen. Trotz der Repressalien von seiten des kommunistischen Regimes der DDR - so konnte Gitta aufgrund der religiösen Überzeugung der Eltern keine Berufsausbildung machen - entschied sich die inzwischen 18jährige Gitta, die von ihren Eltern schon in sehr jungen Jahren viel über die Bibel und ihre Lehren kennengelemt hatte, auch eine Zeugin Jehovas zu sein.

Nach der Haftentlassung des Vaters im Jahr 1957 übersiedelten zunächst Gitta und ihr Vater nach Darmstadt. Der Vater fand Arbeit als Gärtner auf dem Darmstädter Waldfriedhof. Die Mutter kam nach ihrer Haftentlassung im Jahr 1959 ebenfalls nach Darmstadt. Das Ehepaar Dennert lebte zunächst in Darmstadt. Später zogen sie nach Zell, einen Ortsteil von Bad König im Odenwald. Bis zum Tod waren beide mit der dortigen Gemeinde der Zeugen Jehovas verbunden.

Gitta Jungmichel lebt mit ihrer Familie in Darmstadt und ist mit der dortigen Gemeinde der Zeugen Jehovas verbunden.

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Artikel und Bildmaterial aus:
REGIONALER INFORMATIONSDIENST DER ZEUGEN JEHOVAS
BEREICH RHEIN-MAIN