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Dokumentation zum Zeitgeschehen von Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime

Biographie von Adam Heim

Bio Adam HeimAdam Heim wurde am 29.09.1897 in Zwingenberg geboren. Adam Heim war evangelisch. Er machte eine Ausbildung als Steinhauer in den Zwingenberger Steinbrüchen. Im November 1919 heiratete er, und 1920 wurde sein Sohn Heinrich geboren. Adam Heim war während des ersten Weltkrieges als Soldat an der Front gewesen. Nach jenen schrecklichen Jahren sagte er oft: "Wir haben da auf Leute geschossen, die wir gar nicht kannten. Das mache ich nie wieder." Ende der 20er Jahre lernte er den Zwingenberger Bibelforscher Adam Mütz näher kennen, und um 1930 wurde Adam Heim ein Bibelforscher.

Seine Frau trat gleichfalls aus der Kirche aus, wurde jedoch selbst nie Bibelforscherin. Im Jahr 1933 wurde Adam Heim Bruchmeister in den Steinbrüchen bei Zwingenberg. Inzwischen waren in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen, und die Tätigkeit der „Bibelforscher“ wurde verboten. Sein Sohn wollte 1934 eine Ausbildung als Friseur beginnen. Als jedoch der Innungsmeister in Bensheim erfuhr, daß Heinrich Heim nicht in der HJ war, versagte er ihm hierzu die Genehmigung. Adam Heim stellte seinen Sohn daraufhin zur Arbeit in den Zwingenberger Steinbrüchen ein.

Soweit er konnte, stellte Adam Heim vor allem Angehörige verfolgter Minderheiten, d. h. außer Bibelforschern auch Kommunisten und Juden, ein. 1934 im Herbst mußte Adam Heim saison- und rezessionsbedingt viele Leute entlassen. Da es SA- Familien gewöhnlich besser ging als den Familien, die zu einer Minderheit gehörten, entließ Adam Heim zuerst die SA-Leute unter seinen Arbeitern. Darüber höchst erbost, verleumdeten einige der entlassenen SA-Männer Adam Heim und den kommunistischen Tagelöhner Emil Lang, der noch in den Steinbrüchen beschäftigt war, und klagten die beiden Männer an, im Gasthaus Schwalbennest in Zwingenberg, wo viele SA-Leute verkehrten, in deren Beisein das Portrait einer SA-Größe auf den Boden geworfen und darauf herumgetrampelt zu haben. Adam Heim und Emil Lang waren zwar einmal in diesem Lokal gewesen, doch die Geschichte war frei erfunden.

Aufgrund dieser Anklagen wurde Adam Heim noch 1934 an seinem Arbeitsplatz in den Zwingenberger Steinbrüchen verhaftet. Nach einem Schnellverfahren vor dem Sondergericht in Darmstadt wurde er für gut ein halbes Jahr im KZ Dachau in Haft genommen. Da die Familie nun kein Einkommen mehr hatte, ging die Frau von Adam Heim auf die Bürgermeisterei Lorsch und bat um Unterstützung. Als jedoch offenbar wurde, daß Adam Heim als nicht staatskonform im KZ einsaß, wurde das Unterstützungsgesuch abgelehnt. Die Ehefrau von Adam Heim begann daraufhin, für andere Leute in Lorsch Wäsche zu waschen, und konnte so mit ihrem Sohn überleben. Im Juni 1935 kam Adam Heim wieder aus dem KZ nach Hause. Während der gut sechsmonatigen Haft durfte er seiner Familie nicht schreiben und auch keine Post empfangen.

Während der nun folgenden Wochen arbeiteten Vater und Sohn wieder gemeinsam in den Steinbrüchen von Kirschhausen (Heppenheim). Während einer Hausdurchsuchung im Sommer wurde biblische Literatur im Hause Heim gefunden und beschlagnahmt (vergleiche Schreiben der Landesgendarmerie Zwingenberg vom 13.08.36), und im August 1936 wurde Adam Heim erneut an seinem Arbeitsplatz gefangengenommen - sein Sohn, der die erneute Inhaftnahme miterlebte, lief dann von Heppenheim nach Hause nach Lorsch. Gleichzeitig mit Adam Heim wurde auch der Lorscher Bibelforscher Georg Nickels inhaftiert. Adam Heim wurde für vier Monate in Darmstadt in Schutzhaft genommen und am 30.11.36 zu 1 1/2 Jahren Haft im Arbeitslager Zweibrücken verurteilt. Heinrich Heim erinnert sich gut daran, daß er und seine Mutter während der insgesamt über zweijährigen Haftzeit seines Vaters vom sozialen und gesellschaftlichen Leben so gut wie ausgeschlossen waren. Auch diese Zeit wirtschaftlicher Not überbrückte die Mutter mit Wäschereiarbeit.

Im Frühjahr 1938 kam Adam Heim aus dem Arbeitslager Zweibrücken zurück. Vier Tage nach der Kristallnacht*, am 13.11.38, verunglückte er tödlich mit dem Motorrad.

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Artikel und Bildmaterial aus:
REGIONALER INFORMATIONSDIENST DER ZEUGEN JEHOVAS
BEREICH RHEIN-MAIN