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Ohrfeigen, Fußtritte, Faustschläge, schmerzhafte Fesselungen, Misshandlungen durch Gummischläuche, Peitschen, Schlagringe und Ochsenziemer waren nur einige der gängigen Foltermethoden, um die Schutzhäftlinge zum Reden zu bringen.
In manchmal täglich stattfindenden Verhören versuchte die Gestapo, alle Informationen aus den Beschuldigten herauszufoltern. Diese Vernehmungen konnten sich über mehrere Monate hinziehen. Allen diesen Maßnahmen war gemeinsam, dass sie ohne Überprüfung durch Gerichte oder andere Verwaltungsbehörden angeordnet und im rechtsfreien Raum durchgeführt wurden.

Auch Konrad Franke erduldete solche Misshandlungen. Franke, geboren am 22. Dezember 1909, ließ sich im Alter von 14 Jahren als Zeuge Jehovas taufen. Wie er in seinem Lebensbericht9 schrieb, hatte „der erste Weltkrieg, der im Namen Gottes geführt“ worden war, in seiner Familie „tiefe Spuren hinterlassen“. In der Zeugen Jehovas Gemeinde ( Bezeichnung bis zum Jahre 1931: Ernste Bibelforscher) fanden sein Vater und auch er Antwort auf die Frage, „warum so viel Not und Elend über die Menschheit gekommen war“. Im Alter von 21 Jahren wurde er Vollzeitprediger und hatte im Jahre 1936 die verantwortliche Stellung eines Bezirksleiters (heutige Bezeichnung: Bezirksaufseher) inne.
Insgesamt wurde er fünfmal wegen seiner Tätigkeit als Zeuge Jehovas verhaftet.

Am 26. September 1935 wurde Franke vom Sondergericht Sachsen zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, da er bei einer Hochzeit von Verwandten Publikationen der Zeugen Jehovas ausgegeben hatte.10 Franke wurde im Jahre 1936 erneut verhaftet und für 9 Jahre eingesperrt; die letzten 4 Jahre davon verbrachte er im Konzentrationslager Sachsenhausen. Er gehörte zu der Gruppe von 230 Zeugen Jehovas, die im April 1945 gemeinsam den Todesmarsch von Sachsenhausen nach Schwerin überlebten. Von 1955 bis zum Jahre 1969 war Konrad Franke verantwortlich für den gesamten deutschen Zweig der Religionsgemeinschaft. Er starb am 31. Juli 1983.

In dem schon wenige Tage nach Erhalt der Gestapo-Anzeige gefällten Urteil vom 5. Januar 1937 bestätigt und wiederholt das Sondergericht in großen Teilen die Anführungen der Geheimen Staatspolizei.11 Dem Gericht war völlig bewusst, wie die Zeugenaussagen zustande kamen.

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9 Konrad Franke, „Jehova ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“, erschienen im der Ausgabe vom 1. Juni 1963 in der Zeitschrift „Der Wachtturm“, hrsg. von Wachttum- Bibel- und Traktatgesellschaft, deutscher Zweig Wiesbaden.

10 Im Namen des Deutschen Volkes! Strafsache gegen Vertreter Max Konrad Franke…, Sitzung vom 5. Januar 1937, Vorsitzender Landgerichtsdirektor Heckler, Amtsgerichtsrat Lutz, Landgerichtsrat Dr. Schmidt als beisitzende Richter, Staatsanwalt Dr. Weinheimer als Beamter der Staatsanwaltschaft, Justizinspektor Weiner als Urkundsbeamter d. Geschäftsstelle, Staatsarchiv Darmstadt, Abteilung G 27, 582. Offenbar war hier die Gesamtzeit der Haft jedoch drei Wochen. Dies schreibt Franke in seinem Lebensbericht 1963, ebd. S. 342. Er berichtet dort auch von 2 Monaten Konzentrationslager-Haft im Jahre 1934.

11 Im Namen des Deutschen Volkes! Strafsache gegen Vertreter Max Konrad Franke…,Sitzung vom 11. Januar 1937, Vorsitzender Landgerichtsdirektor Heckler, Amtsgerichtsrat Lutz, Landgerichtsrat Dr. Schmidt als beisitzende Richter, Staatsanwalt Dr. Weinheimer als Beamter der Staatsanwaltschaft, Justizinspektor Weiner als Urkundsbeamter d. Geschäftsstelle, ebd.