Beitragsseiten

Ferner verweigern sie die Teilnahme an Betriebsapellen und am Winterhilfswerk.18

5) Der Eid auf den Führer wird von ihnen nicht geleistet, da sie bereits Jehova verschworen sind und diesem gegenüber nicht wortbrüchig werden wollen.

6) Der Gruß ´Heil Hitler` wird von den Bibelforschern abgelehnt, weil nach der Bibel ´das Heil` allein von Jehova kommt und der Gruß ´Heil Hitler` somit eine Menschenverherrlichung und eine Gotteslästerung sei.

7) Da nach der Lehre der Bibelforscher alles, was Menschenantlitz trägt, gleich ist, lehnen sie die Rassegesetzgebung des national-sozialistischen Staates ab.“

Besonders hervorgehoben wurde, dass sie „im Auslande gegen das Dritte Reich einen wahren Greuelpropagandafeldzug entfesselt“ hätten. Das hierfür genutzte Material sei ihnen „von im Reich lebenden Glaubensbrüdern und – schwestern geliefert“ worden.

In der Anzeige wurden die vielfältigen Aktivitäten Konrad Frankes auf mehreren Seiten näher erläutert. Er wurde als „der Hauptverantwortliche für die während der letzten Jahre in ganz Südwestdeutschland betriebene illegalen Arbeit der ´Internationalen Bibelforscher-Vereinigung`“ bezeichnet. Er habe „tatkräftig an der Vervielfältigung und Verbreitung von aus der Schweiz eingeschmuggelten Bibelforscherschriften mitgewirkt, die Greuelnachrichten über Deutschland enthielten und bestimmt waren, zersetzend innerhalb der Bevölkerung im Reiche zu wirken. Er selbst hat das Material zur Aufstellung dieser Greuelnachrichten dem Beauftragten Ruban19 geliefert.

____________________

18 Die NSV ( Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) gliederte sich als angeschlossener Verband der NSDAP in Gau-, Kreis- und Ortsgruppenverwaltungen, Zellen und Blöcke. Gelenkt wurde sie vom Hauptamt für Volkswohlfahrt in der Reichsleitung der NSDAP. Das Winterhilfswerk war ein unentbehrlicher Finanzier der NS- Volkswohlfahrt, die ihrerseits eine nationalsozialistische rassisch-erbbiologische Volkspflege betrieb. Vgl. Herwart Vorländer, Die NSV. Darstellung und Dokumentation einer nationalsozialistischen Organisation, Boppard am Rhein, 1988.

19 Falsche Schreibweise im Urteil des SG. Es handelt sich um Wilhelm Ruhnau, der völkerrechtswidrig am 25. September 1936 in der Freien Stadt Danzig von der Gestapo entführt und verhaftet worden ist. Ruhnau blieb seitdem verschollen und es war eindeutig, dass er in Haft ermordet wurde. Vgl. Franz Zürcher, Kreuzzug gegen das Christentum. Moderne Christenverfolgung. Eine Dokumentensammlung, Zürich, 1938. Jehovas Zeugen hatten sich wegen W. Ruhnau auch an den Generalsekretär des Völkerbundes gewandt, da die autonome Freie Stadt Danzig und die Verfassung dieser Stadt unter dem Schutz des Völkerbundes, das durch einen Kommissar vertreten war, stand. Jedoch lebten in der Stadt fast ausschließlich Deutsche und die NSDAP regierte mit absoluter Mehrheit seit 1933 im Volkstag. Die Verfassung der Freien Stadt Danzig war das Papier nicht wert, auf das es gedruckt war. Art. 74 lautete, dass die Freiheit der Person unverletzlich sei. Nur aufgrund von Gesetzen dürfe die persönliche Freiheit eingeschränkt werden. Art. 76: Abs. 2: Dem Auslande gegenüber haben alle Staatsangehörigen inner- und außerhalb des Staatsgebietes Anspruch auf den Schutz des Staates. Abs. 3: Kein Staatsangehöriger darf einer ausländischen Regierung zur Verfolgung oder Bestrafung überliefert werden. Art. 96:Es besteht volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsübung wird gewährleistet und steht unter staatlichem Schutze. Der Genuss bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Verfassung der Freien Stadt Danzig vom 17.11.1920 in der Fassung vom 14.06.1922.