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Wenn man außerdem berücksichtigt, daß das Programm der Bibelforscher die Vernichtung der Regierungen aller Länder und somit auch Deutschlands vorsieht, so sei seine Handlungsweise einer Vorbereitung zum Hochverrat gleichzustellen.“

Das Gericht verurteilte Franke „wegen Vergehens gegen das Verbot der Internationalen Bibelforschervereinigung“ zu 5 Jahren Gefängnisstrafe und zur Bezahlung der Verfahrenskosten. Das Gericht sah es als erwiesen an, das Franke, wie Zeugen Jehovas insgesamt, das staatliche Verbot nicht anerkannt habe und sich danach ausrichteten „Gott mehr gehorchen“ zu müssen als den staatlichen Anordnungen. Franke selbst habe eine „ausserordentlich rührige Tätigkeit entwickelt“und„einen großen persönlichen Einfluss ausgeübt“,um die Organisation voranzubringen.

Als weitere Begründung wird aufgeführt:
„Das Verbot der IBV gründet sich auf die Feststellung der Staatsgefährlichkeit dieser Organisation, die insbesondere darauf beruht, dass von den Anhängern der IVB jegliche Autorität des Staates verneint und bekämpft wird.20 Es werden nicht nur staatliche Anordnungen missachtet und durch passive Resistenz sabotiert, vielmehr wird durch die Bestrebungen der ZJ auch die außenpolitische Stellung des Reiches dadurch geschwächt, dass die ZJ auch nach Wiedereinführung der allgemeinen Dienstpflicht sich als Gegner dieser Massnahmen betätigen und damit die Grundlagen für den Bestand eines freien und geachteten Deutschen Reiches anzutasten und zu erschüttern versuchen. … Neben dieser Staatsgefährlichkeit der IVB im allgemeinen musste auch das jahrelange, ausserordentlich intensive Mass der Betätigung des Angeklagten straferschwerend berücksichtigt werden. Der Staat muss im Interesse der Selbsterhaltung gegen derartige staatsfeindliche Elemente mit schärfsten Mitteln vorgehen und dafür sorgen, dass dieses ihren unheilvollen Einfluss auf andere, leicht zu verführende Volksgenossen ausüben können. Aus den angegebenen Gründen hielt es das Gericht in vorliegendem Falle daher für angebracht, auf die gesetzlich zulässige Höchststrafe von 5 Jahren Gefängnis zu erkennen.“

Der Vorsitzende des Sondergerichts Darmstadt wusste nur einen Weg, wie mit Zeugen Jehovas umzugehen sei. In einer 22seitigen Abhandlung,21 datiert vom 26. Februar 1937 über die „Internationale Bibelforschervereinigung“, wie man Jehovas Zeugen zur damaligen Zeit häufig noch bezeichnete, wurde er konkret. Für den Staat könne es nur ein

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20 Das entsprach nicht der Wahrheit. Jehovas Zeugen lehnen den Staat nicht ab, aber lassen sich auch nicht vom Staat ihren Glauben diktieren und die Bibelinterpretation vorschreiben. Gesetzte des Staates und der Staat selbst werden grundsätzlich respektiert, jedoch auf eine mögliche Diskrepanz zur Bibellehre hin überprüft.

21 Heckler, Karl, „Äusserung des Herrn Vorsitzenden des Sondergerichts Darmstadt über `die Internationale Bibelforschervereinigung´“, Staatsarchiv Darmstadt, Abteilung G 24, 1345, S. 22.