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Mittel geben, gegen Jehovas Zeugen vorzugehen. Der Staat müsse „diese Schädlinge solange es geht festsetzen und während dieser Zeit unschädlich machen“.

Er ging mit dieser Auffassung mit der nationalsozialistischen Auffassung völlig konform, die ja ohnehin keinerlei Widerspruch duldete. Gleichschaltung war die Devise. In einer deutschen Tageszeitung wurde im Mai 1935 über ein anderes Verfahren vor dem Sondergericht berichtet und das Verbot von Jehovas Zeugen damit begründet, dass die Lehre der Zeugen Jehovas „dem deutschen Empfinden widerspricht und in keiner Weise mit den Anschauungen des nationalsozialistischen Staates von Sitte und Moral in Einklang zu bringen ist“. Die Freiheit der Religionsausübung bestehe weiterhin, da ja auch der „Führer“ immer wieder erklärt habe, dass die Religionsausübung frei sei. Aufgehoben sei die Religionsausübung aber für Jehovas Zeugen, da sie „den Gesetzen und dem Geist des neuen Staates“ nicht entsprechen würde. Im Umkehrschluss gedacht heißt das, dass die Kirchen dem Geist und der Sitte und der Moral des neuen Staates sehr wohl entsprochen haben.22

Doch schon in diesem Jahr spielte das Strafmaß der Gerichte für die Verurteilten nur noch eine untergeordnete Rolle, da laut Gestapo-Erlass vom 22. April 1937 sämtliche Zeugen Jehovas nach Beendigung der Strafhaft aus den Gefängnissen entlassen wurden, unverzüglich in Schutzhaft zu nehmen waren und bei Festhalten an ihrer religiösen Überzeugung grundsätzlich ihre Überführung in ein Konzentrationslager erfolgen sollte.

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22 Wozu diese Haltung der Kirchen letztendlich geführt hat ist eindrucksvoll nachzulesen in: „Gott mit uns“. Der deutsche Vernichtungskrieg im Osten 1939-1945,, Ernst Klee und Willi Dreßen (Hrsg.), Frankfurt/M. 1989.