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Dokumentation zum Zeitgeschehen von Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime

Biographie von Johannes Degen

Johannes Degen wurde am 8. 7. 1900 in Lorsch geboren. Er war als Mühlenarbeiter beschäftigt und lebte mit seiner Frau Johanna und seiner Tochter Else in Lorsch. In den zwanziger Jahren - kurz vor seiner Heirat - hatte er durch das Ehepaar Knaup - beide waren ‘Ernste Bibelforscher’ (heute Zeugen Jehovas) - die Bibel und ihre Lehren recht gut kennengelemt, was ihn veranlaßte, sich ebenfalls als ‘Zeuge Jehovas’ zu bekennen.

Bio Johannes Degen Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Tätigkeit der ‘Ernsten Bibelforscher’ verboten. Das hatte bald auch erste Konsequenzen für Johannes Degen, ln der Wohnung der Familie Degen wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt sowie Bücher und auch das Fahrrad von Johannes Degen wurden beschlagnahmt. Am 15. 5. 1935 wurde er fristlos entlassen. Am 15. 9. 1936 kam er ins Gefängnis nach Darmstadt und verbüßte dort eine Haftstrafe von zwei Jahren und einem Monat.(Urteilsbegründung: Betätigung als ‘Bibelforscher’). Auch Johanna Degen wurde verhaftet, obwohl sie keine ‘Bibelforscherin’ war, sie wurde allerdings nach acht Tagen wieder entlassen. Der Vater und die Schwester von Johannes erhielten Besuchserlaubnis und versuchten, ihn zu bewegen, seine Glaubensüberzeugung aufzugeben, sich offiziell von den ‘Bibelforschern’ zu trennen und dies durch seine Unterschrift auf einem entsprechenden Dokument zu bestätigen, um dadurch wieder in Freiheit zu gelangen. Frau Wagner, die Schwester von Johannes Degen, berichtet noch heute sehr bewegt von der ‘tiefen Gottesfurcht’ und der konsequenten Haltung ihres Bruders, mit der er dies ablehnte.

Johannes Degen kam dann im Oktober 1938 ins Konzentrationslager Dachau, wo er bis zum August 1939 blieb. Auch die Bedingungen im Konzentrationslager konnten Johannes Degen nicht dazu bringen, seine Glaubensüberzeugung aufzugeben. In seinem Fall hätte sogar eine mündliche Versicherung genügt, daß er kein ‘Zeuge Jehovas’ (seit 1931 die offizielle Bezeichnung, der Begriff ‘Bibelforscher’ hatte sich eingebürgert) mehr sein wollte, da sein Bruder zu diesem Zeitpunkt NS-Ortsgruppenleiter in Lorsch war. So kam Johannes Degen schließlich im September 1939 in das Konzentrationslager Mauthausen. Aufgrund der dortigen Haftbedingungen erkrankte er an Typhus und starb im Januar 1941, kurz vor der in Aussicht gestellten Entlassung. Er wurde in einem Massengrab in Mauthausen beerdigt.

Nach Kriegsende wurde auf dem Lorscher Friedhof ein Gedenkstein zur Erinnerung an Johannes Degen aufgestellt, der jedoch mutwillig beschädigt und danach entfernt wurde.

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Artikel und Bildmaterial aus:
REGIONALER INFORMATIONSDIENST DER ZEUGEN JEHOVAS
BEREICH RHEIN-MAIN